Trumps Taktik geht nach hinten los: China senkt Zölle für alle – außer für die USA

US-Präsident Donald Trump und sein chinesischer Kollege Xi Jinping

 
 
 

Während die USA allen und jedem mit Strafzöllen drohen, hat China die Abgaben für Tausende Produkte gesenkt – sofern sie nicht aus den USA stammen. Davon profitiert auch Deutschland.

Es ist keine gute Zeit, ein Sojabohnen-Bauer in den USA zu sein. Diese Branche existiert dort fast ausschließlich für den Export der Sojabohnen nach China. Der Hunger der Chinesen nach Sojabohnen ist gigantisch: 63 Prozent aller weltweit verschifften Bohnen gingen 2017 ins Reich der Mitte, allein die US-Farmer verdienten damit rund 22 Milliarden Dollar.

Doch jetzt ist alles anders: Seit sich die USA und China gegenseitig mit Strafzöllen bekriegen, kostet die Einfuhr von Sojabohnen ins asiatische Riesenreich 28 Prozent Zoll. Deswegen müssen die Chinesen aber nicht auf ihre geliebten Feldfrüchte verzichten.

USA muss eigene Landwirte retten

Sie importieren sie stattdessen aus anderen Ländern. Brasilien und Argentinien etwa haben ihre Exporte nach China deutlich erhöht. Die Regierung in Peking hilft ihnen dabei sogar. Denn für alle Länder außer den USA liegt der Zollsatz für Sojabohnen nur noch bei mageren drei Prozent.

Während China in Sojabohnen schwelgt, verderben sie auf den Feldern in den USA. Zuletzt musste US-Präsident Donald Trump ein zweites Rettungspaket für seine Landwirte auflegen, es kostet mehr als 20 MIlliarden Dollar.

China lässt USA extra zahlen

Die USA zahlen nicht nur bei Sojabohnen deutlich mehr Zoll als alle anderen Länder. Eine Untersuchung des Peterson-Institutes für internationale Wirtschaft, einem Think Tank aus Washington, zeigt jetzt, dass China in vielen Bereichen die USA hart bezollt und dem Rest der Welt den roten Teppich ausrollt.

Über alle Warenkategorien ist der durchschnittliche Zollsatz für amerikanische Waren seit dem 1. Januar 2018 von 8 auf 20,7 Prozent gestiegen. Für Waren aller anderen Länder sank er auf 6,7 Prozent. In mehreren Schritten hatte Peking vergangenes Jahr die Einfuhrabgaben für Tausende Produkte gesenkt.

Landwirtschaft und Fischerei am stärksten betroffen

Am größten sind die Unterschiede dort, wo China glaubt, seiner eigenen Wirtschaft kaum zu schaden und Trumps Wählern maximalen Schaden zufügen zu können. Das sind neben Sojabohnen noch viele andere landwirtschaftliche Produkte, aber auch Holz-, Papier- und Metallprodukte und Elektromaschinen. Bei Ersterem zahlen US-Hersteller 22,3 Prozent Zoll, der Rest der Welt 4,4 Prozent, bei Letzterem liegt das Verhältnis bei 18,3 zu 3,3 Prozent.

Für die meisten Produkte, die China bisher hauptsächlich aus den USA bezog, haben sich leicht andere Lieferanten gefunden. Sojabohnen kommen jetzt aus Südamerika, Seelachs aus Japan, Lachs aus Schottland, Hummer aus Kanada. In den USA hat das gravierende Folgen: Der Umsatz der Hummerfischer brach um 70 Prozent seit Juli 2018 ein, bei Seelachs ist es rund die Hälfte.

So profitiert Deutschland vom Handelskrieg

Auch Europa profitiert: Im Schnitt, so hat das Peterson-Institut ausgerechnet, ist es für chinesische Firmen 14 Prozent günstiger, ihre Produkte in Kanada, Europa oder anderen asiatischen Ländern einzukaufen.

Gerade Deutschland will die Chance jetzt beim Schopfe packen: Vergangene Woche erst reiste Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) nach Peking, um für einfachere Exporte von Agrarprodukten nach China zu sorgen.

Mit Sojabohnen wird Deutschland im Reich der Mitte zwar nicht punkten können. Dafür haben die Chinesen großen Appetit auf deutsches Schweinefleisch, Innereien, Bier, Hopfen und Malz. 2017 lag das Exportvolumen schon bei rund 1,5 Milliarden Euro – Tendenz steigend.