Atlantik-Kanada: Flut, Ebbe und viel Kultur

Change Island, Newfoundland and Labrador, Canada

 
 
 

Bizarre Felsformationen, bunte Städtchen, köstlicher Hummer: Die vier Provinzen von Atlantik-Kanada bezaubern durch ihren charmanten Mix aus rauer Natur und kanadischer Freundlichkeit.

Die wuchtigen Felsen ragen wie riesige Blumentöpfe aus dem Boden – der Spitzname „Flowerpotts“ trifft den Anblick der Hopewell Rocks perfekt. Zwei Mal am Tag kann man bei Ebbe um die bizarren Felsformationen herum waten und beobachten, wie sie langsam, fast magisch im heranrückenden Wasser verschwinden. Bei Flut paddelt man entspannt im Kajak durch die Bucht. Die berauschende Natur der Bay of Fundy der Provinz New Brunswick ist ein Highlight von Atlantik-Kanada, das es bis ins Guinness Buch der Weltrekorde gebracht hat: Beim höchsten Gezeitenunterschied weltweit ziehen 160 Milliarden Tonnen Wasser gen und wieder von der Bucht weg.

Bei der Fahrt entlang der Akadischen Küste mit ihren hübschen Sandstränden und malerischen Ortschaften liegt dann eine Prise franko-kanadischer Charme in der Luft. Im 17. Jahrhundert ließen sich in der damaligen französischen Kolonie Akadien, heute New Brunswick, französische Siedler nieder. Das „Joie de vivre“ ist bis heute in der traditionsreichen Kultur, Gastfreundschaft und maritimen Genüssen wie Hummer spürbar.

„O buono vista!“ soll Giovanni Caboto 1497 wiederum beim Anblick von Neufundland und Labrador gerufen haben. Man möchte es dem italienischen Seefahrer gleichtun, der als erster Europäer nach den Wikingern nordamerikanisches Festland betrat: Die Szenerie um den Fischerort Buenavista ist eine atemberaubende Mischung aus bunten Häuschen, zerklüfteter Felsküste und dichtem Wald – perfekt für lange Wanderwege wie beispielsweise dem Skerwink Trail. Auf dem Meer tummeln sich oft verspielte Buckelwale und die Geschichte ist dank einer Replika von Cabotos Holzschiff, der „Matthew“, immer präsent.

Kunst trifft Natur, Moderne vermischt sich mit Traditionen: Jede Gemeinde der Fogo und Change Islands versprüht ihren eigenen Flair. Wer die schmalen Gässchen von Change Island erkundet, trifft auf rotgetünchte historische Häuschen, kauzig-freundliche Einheimische – und auf den Weiden Neufundland-Ponys. Ein Streifzug durch die Galerien im Künstler-Paradies Fogo zeigt, zu was faszinierende Natur und tiefe Stille inspirieren. Ein architektonisches Highlight ist das Fogo Island Inn, ein teilweise auf Stelzen gebautes, futuristisches Hotel, das elegant über der Brandung zu schweben scheint – während hinter den riesigen Glasfronten Eisberge über die See treiben.

Nova Scotia ohne Bootsfahrt – das geht eigentlich nicht. Noch besser, wenn sich dabei Geschichte, Kulinarik und Rum-Genuss zu einer Reise entlang von Lunenburgs pittoreskem Hafenviertel verbinden. Der Stadtkern mit knallroter Holzarchitektur und alten Kapitänsvillen gehört seit 1995 zum Unesco-Weltkulturerbe. Die mehrstündige Rum-Distillery-Tour macht Halt am einzigen schwimmenden Rumlager der Welt, erkundet die Ironworks Distillery und endet mit einem edlen Sunset-Dinner auf dem Schoner Theresa E. Connor.

Der kulinarische Höhepunkt jeder Nova-Scotia-Reise? Definitiv Hummer! Die maritime Küche in fröhlich bunten Küstenorten wie Tatamagouche ist frisch und herrlich aromatisch. Aber auch Entdeckungstouren zur Seafoam Lavendel-Farm, zu den Jost Vineyards oder der Caldera Distillery mit ihrem prämierten Hurricane 5 Whisky wecken an der Nordküste die Sinne. Die Luxus-Version tischt das Fox Harb’r Resort auf: Beim zweitägigen Feinschmecker-Trip gibt es lokale Highlights mit Austern und Fisch an den schönsten Stellen der Halbinsel, darunter dem fotogenen weißen Leuchtturm, den Weinbergen und dem romantischsten Sunset-Spot.

In Charlottetown auf Prinz Edward Island (PEI) kann man das Auto getrost stehen lassen: Im lebensfrohen Küstenstädtchen ist jeder zu Fuß unterwegs. Musik, Kunst und Kultur sind ständig präsent – nicht nur Dank dem „Anne of Green Gables“-Musical. Irgendwo wird immer bei einem Festival gefeiert! Das historische Zentrum ist zudem die Wiege Kanadas: In Charlottetown trafen sich 1864 die Väter der Konföderation, um die Gründung Kanadas zu planen.

An der Nordseite von PEI breiten sich dann die berauschenden Naturwunder von Atlantik-Kanada mit beeindruckender Vielseitigkeit aus, darunter breite Sandstrände wie am Brackley Beach und über 50 km an Wander- und Radwegen im PEI-Nationalpark, die an roten Klippen und Dünenlandschaften vorbeigehen. Aber auch kulinarisch hat die Insel durch delikate „Field to Table“-Küche und frisch gefangene See-Spezialitäten längst einen Ruf. PEI ist gesellig: Dazu passt auch das breite Repertoire an Musik und lokalen Geschichten für abendliche Lagerfeuer – kanadische Inselkultur eben.