Wie Kanada seine Lachse retten will

Lachse am Fraser River

 
 
 

Im Westen Kanadas versperrt ein Felsblock Fischschwärmen den Weg zum Laichen. Ganze Arten sind in Gefahr – die Regierung will sie notfalls aus der Luft retten.

Kanadas Fischbeständen droht in dieser Saison ein verheerender Verlust. In der Westprovinz British Columbia sind riesige Schwärme von Lachsen von stromaufwärts liegenden Laichgebieten abgeschnitten: Ein Felssturz hat einen der großen Flüsse der Westküste, den Fraser River, blockiert. Nun versuchen Behörden und indianische Völker, den Lachsen irgendwie doch noch die Wanderung zu ermöglichen.

Kanadas Fischereiminister Jonathan Wilkinson erklärte, dass die Behörden alles unternehmen wollten, „damit die Lachse ihre Wanderung im Fraser River sicher fortsetzen können“. Bundes- und Provinzregierung haben einen Krisenstab gebildet, und auch die betroffenen indianischen Völker haben sich zusammengetan, um eine Lösung der Krise zu finden.

Unterhalb des Damms werden bereits Becken gebaut, in denen sich die Lachse sammeln können. Mehrere Optionen werden geprüft. So könnte durch kontrollierte Sprengung der Damm so weit abgetragen werden, dass er für die Fische wieder passierbar wäre. Dabei müssten zugleich aber Felsen im Fluss liegen bleiben, die den Lachsen die Wanderung nach oben erleichtern würden. In dem instabilen Gelände könnten Detonationen aber auch neue Erdrutsche auslösen.

Eine Alternative wäre der Bau einer „Fischleiter“, also einer künstlichen Rinne mit Zwischenbecken, durch die die Fische nach oben schwimmen könnten, oder der Einsatz einer „Lachskanone“: einer Röhre, durch die die Lachse durch Druck in das Gewässer oberhalb des Damms „geschossen“ werden.

Erdrutsch war in der zweiten Junihälfte entdeckt worden

Zu den spektakulärsten Möglichkeiten für die Rettung der Lachse gehört aber ihr Transport in größeren Behältern auf Lastwagen oder mit dem Hubschrauber. Der LKW-Einsatz ist angesichts der Unzugänglichkeit des Gebiets nur schwer möglich. Anders sieht es mit dem Hubschraubereinsatz aus. Die Lachse würden in Netze getrieben und dann in Aluminiumbehälter mit sauerstoffreichem Wasser gesetzt. Die Behälter würden danach flussaufwärts geflogen. Informationen, wie viele Flüge notwendig wären, um eine ausreichend große Zahl von Lachsen zu verpflanzen, waren zunächst nicht erhalten. Die Entscheidung für eine der Optionen soll in den kommenden Tagen nach weiteren Untersuchungen des Geländes fallen.

Der Erdrutsch war in der zweiten Junihälfte entdeckt worden. Analysen von Satellitenaufnahmen aber deuten darauf hin, dass sich der Erdrutsch bereits im November vergangenen Jahres ereignet haben könnte.

Jetzt drängt allerdings die Zeit. Die Lachse haben ihre Wanderung schon begonnen. Einige haben die Barriere bereits erreicht. Nach Berichten aus British Columbia gelang es aber nur einer geringen Zahl starker Lachse, das Hindernis zu überwinden. Lachse können Höhenunterschiede von einigen Metern überspringen. Der Erdrutsch mit Felssturz hat aber einen Damm mit einem etwa fünf Meter hohen Wasserfall gebildet – das ist auch für Prachtexemplare zu schwer.

Einige Lachsarten sind bereits gefährdet

Hilfe ist aber dringend geboten: Einige Lachsarten, die die Flüsse als Wanderwege nutzen, sind bereits gefährdet. Ihre Bestände würden nach Einschätzung von Fachleuten drastisch schrumpfen, wenn sie nicht laichen können.

Lachse leben in den Küstengewässern und wandern zum Laichen in ihre Heimatflüsse. Der Königslachs ist der größte der Pazifiklachse, er kann bis zu 30 Kilogramm schwer werden. Der Rotlachs gilt als der beste und wertvollste Lachs. Seinen englischen Namen hat er vermutlich aus der Sprache des indianischen Volks der Küsten-Salish, die ihn „sukkai“ nannten. Hinzu kommt der Silberlachs.

Für das Ökosystem des Flusses und der Küstenregion steht damit viel auf dem Spiel, ebenso für die Menschen am Fluss. Die Fische gehören zu ihrem Leben. In der Kultur der indianischen Völker der Westküste spielt der Lachs eine wichtige Rolle. Oberhalb des Erdrutsches liegen mehr als fünfzig indianische Gemeinden, deren Ernährung und Einkommen erheblich von den Lachsen abhängt. Sportangler kommen zum Fischen und auch für Bären sind die Lachse ein Festschmaus.

Menschen und Wild sind von diesen Lachsen abhängig, von der Westküste bis in das Landesinnere und zu den Rocky Mountains“, sagte Aaron Hill, Direktor der Watershed Watch Salmon Society der „Vancouver Sun“. Stewart Phillip, Präsident der Union der Häuptlinge British Columbias, macht deutlich, wie wichtig rasches Handeln nun ist. Der Felssturz von Big Bar sei „eine extreme Krise für unseren geheiligten Lachs und wir haben die Verantwortung, uns um ihn zu kümmern“.