Premier Trudeau schließt Koalition in Kanada kategorisch aus

Justin Trudeau: "Die Kanadier haben mir viel zum Nachdenken gegeben"

 
 
 

Zur absoluten Mehrheit hatte es für seine Liberalen nicht mehr gereicht – dennoch will Justin Trudeau Kanada nicht in einer Koalition führen. Das Land steuert damit auf eine Minderheitsregierung zu.

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau schließt trotz des Verlusts der parlamentarischen Mehrheit jede Art von Koalitionsregierung aus. „Ich kann Ihnen sagen, dass es überhaupt nicht geplant ist, eine formelle oder informelle Koalition zu bilden“, sagte Trudeau auf einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Er fügte hinzu, dass er in den kommenden Wochen mit allen Parteivorsitzenden Sondierungsgespräche führen werde. Trudeau führt mit seinen Liberalen damit eine Minderheitsregierung. Diese Formen der Regierung haben in Kanada bislang selten länger als zweieinhalb Jahre gehalten.

„Die Kanadier haben mir am Montagabend viel zum Nachdenken gegeben. Ich werde mir die Zeit nehmen, um wirklich darüber nachzudenken, wie ich den Kanadiern am besten dienen kann“, sagte Trudeau. Er werde sein Kabinett am 20. November vorstellen und versprach, dass eine Steuersenkung für die Mittelschicht ganz oben auf der Agenda stehe.

Alter und neuer Premier will Fokus auf das Klima legen

Trudeaus Liberale holten dem vorläufigen Endergebnis zufolge 157 von 338 Parlamentssitzen. Ihr Vorsprung auf die Konservativen ist größer, als aktuelle Umfragen vor der Wahl erwarten ließen. Manche Beobachter führten dies zum Teil auf die Wahlempfehlung zurück, die Ex-US-Präsident Barack Obama wenige Tage vor der Wahl zugunsten von Trudeau abgegeben hatte.

Allerdings blieb die Partei des Premiers mit dem Ergebnis nicht nur deutlich unterhalb der für eine absolute Mehrheit erforderlichen 170 Sitze, sondern weit hinter ihrem Ergebnis aus dem Jahr 2015 (184 Sitze) zurück.

Trudeau hat angekündigt, seine Politik fortzusetzen. Dazu gehörten der Kampf gegen Waffengewalt und vor allem der gegen den Klimawandel, „die größte Herausforderung unserer Zeit“. Letzteren will der Premier künftig stärker vorantreiben.