USA: Frauen gegen Trump

Elizabeth Warren: Linke Senatorin will US-Präsidentin werden

 
 
 

Die führenden linken Kandidaten Sanders und Warren streiten bei der TV-Debatte der Demokraten. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht eine alte Frage: Kann eine Frau die Präsidentschaftswahl gegen US-Präsident Donald Trump gewinnen?

Er hat erstaunlich lange gehalten, der Waffenstillstand zwischen den beiden führenden linken Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Fast ein Jahr gaben sich Bernie Sanders und Elizabeth Warren alle Mühe, sich nicht anzugreifen, nach dem Motto: Hauptsache, einer von uns beiden gewinnt die Nominierung – und nicht etwa der moderate Joe Biden. Doch in der Nacht zum Mittwoch attackierten sich die beiden erstmals direkt.

Im Zentrum der Auseinandersetzung in der jüngsten TV-Debatte standen weniger inhaltliche Differenzen, sondern vielmehr eine alte Frage, die neu aufgeflammt ist: Kann eine Frau die Präsidentschaftswahl gewinnen? Und das gegen Trump?

Warren hatte zuletzt gestreut, Sanders habe ihr vor einem Jahr gesagt, dass eine Frau es nicht schaffen werde. Der 78-Jährige bestritt das in der Debatte entschieden, doch Warren blieb beim Thema: „Die einzigen Bewerber auf dieser Bühne, die jede einzelne Wahl gewonnen haben, sind die Frauen“, sagte sie. Und meinte damit neben Senatorin Amy Klobuchar sich selbst. Sie sei die Einzige, die in den vergangenen 30 Jahren einen republikanischen Amtsinhaber geschlagen habe – als sie ihren Senatssitz eroberte. Die Zweifel, ob eine Frau gegen Trump automatisch schlechtere Chancen hat, sind real. In einer Umfrage sagten 2019 zwar 74 Prozent der demokratischen und der unabhängigen Wähler, dass sie selbst gern eine Frau im Weißen Haus sehen würden. Nur 33 Prozent glauben jedoch, dass auch ihre Nachbarn kein Problem mit einer Präsidentin hätten.

Das Duell zwischen Sanders und Warren war auch dem Umstand geschuldet, dass der Wahlkampf der Demokraten in die heiße Phase geht. Die Debatte war die letzte, bevor am 3. Februar die erste Vorwahl in Iowa stattfindet. Der Einsatz dort ist hoch: Wer es im Bauernstaat nicht unter die ersten vier Bewerber schafft, muss seine Kampagne womöglich bereits einstellen, weil keine Spenden mehr kommen.

Ansonsten war die Debatte geprägt von einer Diskussion über die Rolle der USA in der Welt – ein Thema, das in früheren Debatten nur am Rande vorgekommen war. Dabei zeigte sich, dass sich alle Kandidaten grundsätzlich einig waren, die Zahl der US-Truppen in Nahost zu reduzieren und im Fall von Afghanistan alle Soldaten abzuziehen. Mehrfach wurde Kritik an der Tötung des iranischen Generals Qassim Soleimani durch die USA laut, die das Risiko eines Kriegs erhöht habe.

Auf der Bühne fehlte allerdings jener Kandidat, der in den vergangenen Tagen am meisten zu reden hatte: Michael Bloomberg, der frühere Bürgermeister von New York. Er will einen Sieg von Sanders oder Warren verhindern, die er für zu links hält. Den späten Einstieg ins Rennen kompensiert er mit einer Geldschwemme, die selbst für US-Verhältnisse beispiellos ist. Nach einer Zählung der Beratungsfirma Advertising Analytics hat Bloomberg in nur 54 Tagen mehr als 220 Millionen Dollar für politische Werbung aufgeworfen, mehr als zehnmal so viel wie Sanders, Buttigieg, Warren und Biden.