USA setzen Spezialeinheit gegen Drogenkartelle in Kolumbien ein

US-Spezialeinheit. Symbolbild

 
 
 

Kolumbien bekommt den illegalen Drogenhandel nicht in den Griff. Nun sollen amerikanische Militärs helfen. Doch in der Region gibt es einen anderen Verdacht: eine bevorstehende Konfrontation mit Venezuela.

Eine unsolidarische Welt könne die Pandemie nicht besiegen: „Niemand von uns ist in Sicherheit, solange nicht alle in Sicherheit sind.“ Die Corona-Pandemie sei nicht nur eine Gesundheitskrise, sondern auch eine wirtschaftliche und soziale sowie in vielen Ländern auch eine politische Krise. „Ihre Auswirkungen werden noch in kommenden Jahrzehnten zu spüren sein.“

BogotáKolumbiens General Luis Fernando Navarro muss beschwichtigen: Die Aufgaben der amerikanischen Truppen, die im Juni erwartet werden, seien rein taktischer Natur. Laut Navarro kommt diese Mission, um die Sicherheitskräfte Kolumbiens „in taktischen Prozessen zu beraten, um die Operationen gegen den Drogenhandel zu verbessern“. Die Präsenz der Amerikaner sei auf vier Monate beschränkt, versichert Navarro. Allerdings lehrt die Vergangenheit: Sind ausländische Truppen erst einmal im Land, bleiben sie meist für länger.

Tatsächlich bekommt Kolumbien die stetig wachsende Macht der international vernetzten Drogenkartelle nicht in den Griff. Weil vor allem in den USA und Europa kräftig gekokst wird und sich die westlichen Konsumenten kaum um die sozialen und ökologischen Folgen ihres Kokskonsums scheren, bleibt der Drogenhandel einträgliches Milliardengeschäft. In Europa kaum bekannt ist dagegen, dass in Kolumbien auch wegen des illegalen Drogenanbaus nicht nur riesige Waldflächen gerodet, sondern nahezu täglich soziale Umweltschützer und Menschenrechtsverteidiger, die sich der Mafia in den Weg stellen, ermordet werden.

Alleine kommt Kolumbien gegen die milliardenschweren, waffentechnisch bestens ausgerüsteten Kartelle nicht an. Nun setzt Bogotá wieder einmal auf einen militärischen Ansatz, obwohl in der Vergangenheit der aus den USA finanzierte sogenannte „Plan Colombia“ mehr Leid als Nutzen für das Land brachte. Kolumbianische Militärs waren im „Krieg gegen die Drogen“ in schwere Menschenrechtsverletzungen involviert. Am bekanntesten ist der Skandal um die sogenannten „falsos positivos“, bei denen Zivilisten von Militärs in Guerilla-Uniformen gesteckt und getötet wurden, damit vom Staat ausgelobte Prämien kassiert werden konnten.

Tatsächlich sind neben den skrupellosen rechten paramilitärischen Banden auch linksgerichtete Guerillagruppen in den Drogenhandel involviert. Und das macht das US-amerikanische Engagement besonders brisant. Der marxistischen ELN-Guerilla wird ebenso wie den übrig gebliebenen Splittergruppen der inzwischen befriedeten FARC-Guerilla ein enger Kontakt zur Drogenmafia und nach Venezuela nachgesagt. Die US-Justiz bezichtigt die Spitze der venezolanischen Regierung um den sozialistischen Machthaber Nicolás Maduro, selbst Teil eines Kartells zu sein.

Die FARC vermutet deshalb hinter der Entsendung von US-Truppen nach Kolumbien ein ganz anderes Ziel: Niemand ziehe in Zweifel, dass diese Situation Teil einer militärischen Aggressionsstrategie der Regierung Trump gegen Venezuela sei und die kolumbianische Regierung in unverantwortlicher Weise das Vaterland für eine Destabilisierungsstrategie gegen das Nachbarland und den Kontinent zur Verfügung stelle, heißt es in einer Stellungnahme der inzwischen als Partei aktiven Ex-Guerillabewegung.

Die rechtsgerichtete Abgeordnete María Fernanda Cabal von der Regierungspartei CD hält dagegen: „Die Gringos werden nicht so dumm sein, in eine Konfrontation mit Venezuela einzusteigen.“ In der Realität aber braut sich in der Region eine gefährliche Mischung zusammen: In Venezuela sind längst russische und kubanische Militärberater aktiv, und Caracas bastelt gerade an einer neuen Verbindungsbrücke zu Washingtons Intimfeind Iran. Im kriegserfahrenen Kolumbien bauen die Amerikaner ihre militärische Präsenz aus. Nicht wenige Experten sehen darin Vorzeichen eines aufziehenden Stellvertreterkrieges.