Was, wenn jemand am Flughafen nach Ihrem Smartphone fragt? PDF Print E-mail
Written by thomas.jaeger   
Saturday, 30 December 2017 05:34

altSmartphones sind voll mit privaten Informationen - das macht sie auch für Grenzkontrolleure interessant. US-Bürgerrechtler erklären, wo man mit Handy-Kontrollen rechnen muss und wie man sich vorbereitet.

Wer als Ausländer in die USA einreisen möchte, wird streng kontrolliert. Grenzbeamte können dabei mittlerweile stichprobenartig Zugriff auf etwa Smartphones und Laptops verlangen - und eventuell sogar nach Passwörtern für Geräte und Social-Media-Accounts fragen. Wer mit solchen Aufforderungen ein Problem hat, muss im Ernstfall wieder nach Hause fliegen oder sich damit abfinden, dass sein Gerät beschlagnahmt und untersucht wird.

Die Bürgerrechtler der Electronic Frontier Foundation (EFF) wollen die Rechte von Reisenden stärken. Auf dem Chaos Communication Congress in Leipzig geben sie Hackern und Aktivisten aus aller Welt daher Ratschläge, wie die ihre Geräte und Daten vor der Einreisekontrolle zumindest einigermaßen schützen können, so dass sie den Beamten möglichst wenig Angriffsfläche bieten.

Obwohl die EFF sich bei ihren Tipps auf die Kontrollen der Vereinigten Staaten konzentriert, lassen sich viele dieser Ratschläge verallgemeinern. Weitere Staaten, die Zugriff auf elektronische Geräte verlangen könnten, sind der EFF zufolge zum Beispiel Großbritannien, Kanada und Australien. Auch vor Reisen nach Russland und China sollten Nutzer Vorkehrungen für ihre Daten treffen, meint der EFF-Bürgerrechtler Kurt Opsahl.

Hier sind sieben Tipps von Opsahl und seinen Kollegen:

1. Einige Geräte und Daten zuhause lassen

Was Reisende unterwegs nicht brauchen, sollten sie der EFF zufolge am besten gar nicht erst mitnehmen. Praktisch heißt das: Nutzer können beispielsweise ihre Adressbücher und Fotobibliotheken vom Gerät nehmen und Daten auf Festplatten daheim oder in der Cloud zwischenspeichern. Auch eigens für Reisen gekaufte Geräte mit möglichst wenig privaten Daten sind eine Option.

Beim Smartphone-Entrümpeln sollten Nutzer beachten, dass Datenforensiker auch gelöschte Dateien wiederherstellen könnten. Im Zweifel empfiehlt die EFF zusätzliche Programme zum dauerhaften Löschen. Wer Daten in der Cloud speichert, um sie im Reiseland wieder abzurufen, sollte bedenken, dass Kontrolleure auch nach den Zugangsdaten für diese Cloud fragen könnten.

2. Geräte und Daten sichern

Vor der Reise sollten Smartphone-Nutzer die Daten auf ihren Geräten verschlüsseln, rät die EFF. Neuere Versionen der mobilen Betriebssysteme iOS und Android haben entsprechende Funktionen bereits an Bord, man braucht keine Extra-Software. Außerdem raten die Bürgerrechtler dazu, alle üblichen Passwortsperren zu aktivieren.

Für den Fall, dass das eigene Handy tatsächlich in fremde Hände gerät, sollten Nutzer ihre Browser-Chronik löschen und sich aus ihren Social-Media-Accounts ausloggen, etwa aus Facebook und Instagram. Dadurch können Beamte beim Öffnen der jeweiligen Apps zumindest nicht sofort auf die Nutzerkonten zugreifen.

Wer mit einem Diensthandy oder Dienstlaptop reist, sollte am besten vorher mit seinem Arbeitgeber sprechen, welche Sicherheitsmaßnahmen das eigene Unternehmen empfiehlt.

3. Sich nicht verdächtig machen

Zu viel Eifer beim Sichern der Geräte kann Reisende auch verdächtig machen, warnt die EFF. Wer auf eine entsprechende Aufforderung der Kontrolleure hin etwa ein komplett neu aufgesetztes Smartphone präsentiert oder behauptet, überhaupt keine elektronischen Geräte zu besitzen, könnte mit kritischen Nachfragen rechnen. Nutzer sollten außerdem tendenziell vermeiden, Daten mithilfe von speziellen Programmen auf dem Gerät zu verbergen - auch das wirke verdächtig.

Beim Warten auf die Einreise kann es laut der EFF aber durchaus sinnvoll sein, elektronische Geräte auszuschalten, um eventuelle Fernzugriffe zu verhindern.

4. Grenzbeamte nicht provozieren

Die EFF rät nachdrücklich, im Gespräch mit den Beamten ruhig und respektvoll zu bleiben. Es bringe Reisenden nur Nachteile, wenn sie etwa ihre Geräte versteckten, die Beamten belögen oder deren Arbeit physisch behinderten - etwa, indem sie ihre Taschen nicht herausrücken.

Wenn Kontrolleure nach dem Passwort für ein Gerät fragen, könnten Reisende sich der EFF zufolge freundlich erkundigen, ob das ein Wunsch ("request") oder ein Befehl ("order") sei. Wenn es nur ein Wunsch ist, könnten Reisende immerhin sagen, dass sie das lieber nicht tun möchten. Folgt dann doch ein Befehl, könnten Reisende deutlich machen, dass sie dem nur unter Protest Folge leisten und nicht zustimmen würden. Das zu betonen, kann der EFF zufolge bei einem späteren Rechtsstreit von Vorteil sein.

5. Mögliche Szenarien vorher im Kopf durchspielen

Um sich vor Ort nicht überrumpeln zu lassen, sollten sich Reisende vorher genau überlegen, was zu tun sie bereit wären - und unter welchen Umständen sie notfalls auf die Einreise verzichten würden. Nutzer sollten sich laut EFF unter anderem fragen: Würde ich eine Verzögerung der Reise durch lange Kontrollen in Kauf nehmen? Würde ich meine Geräte beschlagnahmen lassen, wodurch ich sie für Wochen oder Monate nicht mehr hätte? Würde ich notfalls doch meine Passwörter und Geräte herausrücken?

6. Protokoll führen

Wer verschärft kontrolliert wurde, sollte direkt danach ausführlich aufschreiben, was ihm widerfahren ist, rät die EFF. Noch vor Ort sollten Reisende die Namen und Dienstnummern der Grenzbeamten notieren. Wer später juristisch gegen die Kontrolle vorgehen möchte, könnte diese Notizen brauchen.

7. Passwörter nach der Einreise ändern

Mussten Reisende an der Grenze ihre Zugangsdaten preisgeben, sollten sie diese direkt danach ändern, empfehlen die Bürgerrechtler. Auf diese Weise könnten die Beamten die Daten zumindest nachträglich nicht mehr nutzen. Wer sich über eine verschärfte Kontrolle beschweren möchte, kann das unter anderem auf der Website der U.S. Customs and Border Protection (CBP) tun.

Unabhängig von den Ratschlägen der EFF können sich Reisende übrigens bei den Behörden ihres eigenen Landes über Einreisebestimmungen informieren. Für Reisende aus Deutschland ist etwa das Auswärtige Amt eine Anlaufstelle.



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